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Wie ich meine Prognosen nachprüfbar mache

Astrologische Prognosen haben ein Glaubwürdigkeitsproblem, und es ist ein hausgemachtes. Wer im Nachhinein aus einem langen Text die Stellen heraussucht, die gepasst haben, kann jede Vorhersage zum Erfolg erklären. Genau das will ich nicht.

Deshalb steht ab dieser Saison unter jeder Prognose eine Liste. Keine Deutung, keine Andeutung, sondern einzelne Aussagen, die eindeutig eintreffen oder eben nicht: „Der VfL verliert das Eröffnungsspiel gegen Hertha BSC." „Der Karlsruher SC steigt direkt ab." Aufgelöst wird, sobald es entschieden ist — auch das, was danebengeht. Die laufende Bilanz steht unter Trefferbilanz.

Warum jeder Tipp eine Schwierigkeit trägt

Eine nackte Trefferquote sagt fast nichts. Einem Aufstiegskandidaten den Sieg im ersten Heimspiel zuzutrauen ist etwas völlig anderes, als ihm den Abstieg über die Relegation vorherzusagen. Wer nur leichte Tipps abgibt, kommt mühelos auf achtzig Prozent — und hat nichts gezeigt.

Darum trägt jeder Tipp die Quote, die man vor dem Ereignis dafür bekommen hätte. Das ist eine Schätzung, keine Buchmacher-Angabe; für vieles, was ich vorhersage, gibt es gar keinen Wettmarkt. Sie steht trotzdem dabei, weil ein Treffer sonst nicht einzuordnen ist.

KlasseQuoteBedeutung
Normal1,5–2Naheliegend — läge auch ohne Astrologie im Rahmen
Außenseiter2–3Gut möglich, aber nicht die Erwartung
Gewagt3–5Klar gegen die Erwartung
Kühn5–8Damit rechnet vor der Saison praktisch niemand
Sensation8+Träfe kaum jemand sonst — hier steht die Methode auf dem Prüfstand

Ausgewertet wird je Klasse getrennt. Eine einzige Gesamtzahl würde die leichten Tipps die schweren schönrechnen lassen. Interessant ist ohnehin nur die untere Hälfte der Tabelle: Ob ich einen Favoritensieg treffe, beweist nichts. Ob ich einen Abstieg treffe, den vor der Saison niemand auf dem Zettel hatte, schon.

Ein halb eingetroffener Tipp zählt als halber Treffer. Und solange in einer Klasse noch nichts entschieden ist, steht dort keine Quote — eine „0 %"-Anzeige wäre eine Aussage über Prognosen, die noch gar nicht entschieden sind.

Tipps, die auf anderen aufbauen

Jetzt wird es interessant, denn manche Vorhersagen hängen voneinander ab.

Ich sage für den VfL Bochum voraus, dass er auf dem Relegationsplatz landet — und dass er die Relegation dann auch verliert. Die zweite Aussage kann nur eintreffen, wenn die erste zutrifft. Steigt der VfL direkt ab oder hält die Klasse, dann kommt es zur Relegation überhaupt nicht, und mein Tipp auf ihren Ausgang kam nie zur Entscheidung.

Solche Tipps stehen jetzt mit ihrer Voraussetzung in der Liste, und zwar von Anfang an, nicht erst hinterher. Tritt sie nicht ein, wird der Tipp als hinfällig gekennzeichnet. Er bleibt sichtbar stehen, fällt aber aus der Rechnung — aus dem Zähler wie aus dem Nenner.

Das ist kein Schlupfloch, sondern das Gegenteil. Ihn als Fehlschlag zu werten wäre unfair, denn ich lag nicht daneben; ihn als Treffer zu werten wäre unehrlich, denn ich lag auch nicht richtig. Und ihn stillschweigend verschwinden zu lassen wäre das Schlimmste: Dann wäre nicht mehr nachprüfbar, was aus der Quote herausgerechnet wurde. Deshalb bleibt er in der Liste, deutlich als hinfällig markiert, und die Bilanzseite weist aus, wie viele es sind.

Damit das nicht zur Ausrede werden kann, gilt eine harte Regel: Die Voraussetzung steht vor der Entscheidung da. Sie wird mit dem Tipp veröffentlicht, nicht nachträglich hinzugefügt. Eine Bedingung, die erst nach dem Ergebnis auftaucht, wäre wertlos.

Warum jeder Tipp trotzdem für sich zählt

Nun könnte man auf die Idee kommen, eine getroffene Kette höher zu bewerten. Der Relegationsplatz für Bochum ist für sich ein kühner Tipp, Quote 5 bis 8. Dass der VfL die Relegation dann auch verliert, ist unter dieser Voraussetzung nur noch gewagt, Quote 3 bis 5 — wer erst einmal dort unten steht, kann durchaus absteigen. Trifft beides zu, entspricht das rechnerisch einer Quote von fünfzehn.

Genau so wird es aber nicht gewertet, und der Grund ist Doppelzählung. Stünde der zweite Tipp mit seiner kombinierten Quote in der Statistik, wäre der Relegationsplatz zweimal darin — einmal als eigener Tipp und noch einmal als Bestandteil der Fünfzehn. Eine Trefferquote, die dieselbe Leistung doppelt zählt, ist keine.

Deshalb geht jeder Tipp mit seiner eigenen Klasse in die Bilanz ein, auch der bedingte. Der Wiederaufstieg des KSC steht bei 2 bis 3, der Relegationsplatz bei 5 bis 8, und beide werden getrennt abgehakt. Das hat noch einen praktischen Vorteil: Steht der Relegationsplatz fest, kann er sofort ausgewertet werden — ich muss nicht erst abwarten, wie die Relegation ausgeht.

Was dabei verloren geht, hole ich an anderer Stelle nach. Wer eine ganze Kette trifft, hat mehr geleistet, als die Summe der Einzelquoten hergibt, und darüber lässt sich am Saisonende schreiben. In die laufende Tabelle gehört es nicht.

Drei Fälle, damit klar ist, was das praktisch heißt:

  • Beides trifft ein. Der VfL landet auf dem Relegationsplatz und verliert die Relegation. Zwei Treffer, einer in der kühnen Klasse, einer in der gewagten.
  • Nur die Voraussetzung trifft ein. Der VfL erreicht den Relegationsplatz, hält sich dort aber. Der erste Tipp ist ein Treffer, der zweite ein Fehlschlag — er kam ja zur Entscheidung.
  • Die Voraussetzung trifft nicht ein. Der VfL steigt direkt ab oder bleibt drin. Der erste Tipp ist verfehlt, der zweite wird hinfällig und zählt nicht mit.

Was ich mir davon verspreche

Ehrlich gesagt: dass es unbequem wird. Eine Bilanz, die auch die Fehlschläge zeigt, ist ein Versprechen, das man nicht mehr zurücknehmen kann. Genau deshalb mache ich es. Astrologie wird nicht dadurch glaubwürdiger, dass man sie besser erklärt, sondern dadurch, dass man sie überprüfbar macht — und das Ergebnis stehen lässt.

Wenn die Quote am Ende der Saison mager ausfällt, steht sie trotzdem da. Und wenn ein Abstieg eintrifft, den vor der Saison niemand für möglich hielt, dann kann jeder nachlesen, dass er hier schon im August stand.

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